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Home, Sweet Home

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Da natürlich alle Familien verschieden sind, ist es schwierig ein allgemein gültiges Grundmuster aufzustellen. Deshalb wird sich dieser Text auf eine Familie beziehen.
In meiner Gastfamilie wird einander viel Zeit gewidmet. Selten gehen die Kinder am Wochenende in den Ausgang, lieber unternehmen sie etwas mit der Familie. Man sitzt zum Beispiel gerne am Küchentisch und redet miteinander und gegessen wird am Morgen und dann immer gemeinsam. Meine Austauschpartnerin hat mir erzählt, dass sie deshalb extra früher aufsteht, auch wenn sie eigentlich später Schule hat und dann mit ihrer Mutter in die Universität fährt und dort wartet, bis es Zeit ist, sich zur Schule zu begeben. Hat jemand Geburtstag, so wird bei der Grossmutter mit Torte und Gesang gefeiert, und auch die Verwandten fehlen nicht. Im April gibt es viele Feste, da dann alle Familienmitglieder ausser der ältesten Schwester Geburtstag haben. Im November wird nach Tradition ein Schwein geschlachtet, damit man für den Winter Fleisch hat. Eine weitere Tradition im Winter besteht darin, dass sie am fünften Dezember ihre Schuhe ans Fenster stellen und sie dann am sechsten Dezember, am „Heiligen Nikolaus“, mit Süssigkeiten gefüllt vorfinden. An Weihnachten findet sich die Verwandtschaft zusammen, wobei der Onkel üblicherweise die Rolle des Weihnachtsmanns übernimmt. Seit die Grossmutter Witwe ist, kommt sie die Familie oft besuchen, und in den Ferien finden dann die Gegenbesuche statt, und auch andere Verwandte werden besucht.
Mein rumänische Familie bleibt in den Ferien meistens innerhalb der rumänischen Landesgrenze. Dieses Jahr bildet die Ausnahme, denn in den Sommerferien sind sie mit dem Bus in viele europäische Länder gereist. Normalerweise fahren sie in die Berge oder in Städte. Im Jahre 2002 wie auch 2004 wurden die Ferien am Schwarzen Meer verbracht.
In dieser Familie arbeiten beide Elternteile: die Mutter als Französischlehrerin an der Universität und der Vater als Arzt, wobei er auch Onkologie unterrichtet (ebenfalls an der Universität). Als Lehrperson bekommt man anscheinend wenig Lohn. Meine Austauschpartnerin hat mir erzählt, dass deswegen während Wochen ein Lehrerstreik stattgefunden hat, als sie in die achte Klasse ging und man dann nicht zur Schule konnte.
Die Familie besteht aus den Eltern und drei Kindern, von denen die beiden Jüngsten Zwillinge sind. Die Eltern haben im Alter von etwa dreissig Jahren geheiratet und der Altersunterschied beträgt drei Jahre. Der Vater ist der Ältere. Ein Jahr nach der Heirat haben sie ihr erstes Kind bekommen, und fünf Jahre später folgten die Zwillinge. Umgezogen sind sie bis jetzt einmal; von Elisabethstadt hierher nach Sibiu, wo sie in einem Quartier namens Neppendorf wohnen.
Als ich versucht habe herauszufinden, wer denn die „Autoritätsperson“ sei, wer also das Sagen habe, antwortete meine Partnerin, dass die Entscheidungen von beiden Elternteilen getroffen werden. Was das Geld angeht, so verdienen, wie schon erwähnt, sowohl Mutter als auch Vater, wobei der Vater ja zwei Anstellungen hat. Die Kinder kriegen eigentlich kein regelmässiges Taschengeld. Sie bekommen Geld, wenn sie es benötigen, sei es für etwas in der Schule oder wenn sie neue Kleider brauchen.

Kurz: Mein rumänischer Zwilling lebt in einer eng zusammengeschweissten Familie, die gerne den Kontakt zur Verwandtschaft pflegt. Es ist ausserdem auch eine ausgesprochen gastfreundliche Familie: Man hat mir zum Beispiel das Zimmer gegeben, das eigentlich meiner Austauschpartnerin gehört. Sie schlief dann bei ihrer Mutter und der Vater im Wohnzimmer auf dem Sofa.
Man fühlte sich bei ihnen sehr willkommen und wohl!

Julia

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